Geschichte

38 Jahre
Studio für Tanz – Irene Kemen
Weinheim

1977 – 2015
Am 28. 2. 1977 eröffneten wir am Marktplatz Nr. 5 in Weinheim, – damals, als die Sanierung der Altstadt und des Marktplatzes von Weinheim noch gar nicht begonnen hatte, – das Studio für Tanz Irene Kemen, hoch unter dem Dach des Hinterhauses. Es waren kleine, aber angenehme Räumlichkeiten. Diejenigen, die mit uns dort angefangen haben, werden die Atmosphäre, die dort beim Tanzen herrschte, nicht vergessen. Das Heraustreten aus der schmalen Eingangstür hinaus auf den Weinheimer Marktplatz, damals wie heute bestanden von hohen und kraftvollen Bäumen, hatte etwas, was sich nur schlecht beschreiben lässt. Man befand sich mitten im historischen Zentrum einer kleinen Stadt, der man ein, wie jeder weiß, eigentümliches Flair, das nur an manchen Stellen Alt-Heidelbergs zu spüren ist, nicht absprechen kann.
Die Zeiten ändern sich aber. Das Studio wurde zu klein, und wir mussten eine neue Bleibe suchen, für uns und all diejenigen, die es zum Tanzen drängte. Die neuen Räume fanden wir im Ulnerschen Stift, einem der historischen Örtlichkeiten in der Weinheimer Altstadt, direkt unterhalb des Marktplatzes im Gerberbachviertel. Es war die erste Turnhalle Weinheims. Die erste! Dies war auch ihr Zustand. Mit viel Aufwand und Engagement wurde sie hergerichtet, und schon nach wenigen Monaten konnten wir am 7. März 1981 die Neueröffnung des Studio für Tanz Irene Kemen in den neuen großen Räumen gebührend feiern. Seitdem, so dürfen wir sagen, haben sich viele Kinder und Erwachsene mit Ehrgeiz und auch mit viel Erfolg dem Tanzen verschrieben.
Wir stellen uns vor war das Motto der ersten öffentlichen Aufführung im Rolf-Engelbrecht-Haus im Sommer 1978. Ein Jahr später organisierten wir den als kulturelles Jahresereignis gefeierten Auftritt der Gus Giordano Jazz-Dance-Company, eine amerikanische Gruppe, die auch in diesem Sinne gefeiert wurde. Unseren eigenen ersten ganz großen Ballettabend veranstalteten wir im Frühjahr 1979 in der Weinheimer Stadthalle unter dem Titel Barock bis Pop. Kindertanz, Folklore, klassisches Ballett, Modern Dance und Jazz Dance waren die Tanzarten, mit denen ein wirklich begeistertes Publikum erfreut werden konnte.
Zur Neueröffnung des Studios im Jahre 1981 präsentierten wir einen ganzen Tag lang Jazz Dance und in anmutig anzusehenden Kostümen Historischen Tanz im Sinne Professor Tauberts. Unvergessen bleibt auch der Festvortrag von Professor Dr. Richard Wisser Vom Tanzen als Leitfaden leibhaften Kunst-und Weltverständnisses (in: Distanz und Nähe. Reflexionen und Analysen zur Kunst der Gegenwart, herausgegeben von P. Jaeger u. R. Lüthe, Würzburg 1983), der in ganz besonderer Weise eine Grundlage bildet für das von uns vermittelte Verständnis von Tanz. Am 11. März 1984 folgte der zweite große Ballettabend unter dem Motto Sprachen des Tanzen, der schon in der uns gewohnten Weise die Möglichkeiten des Tanzes in einer sehr weiten Spannbreite zum Ausdruck kommen ließ. Zum gleichen Thema erschien unsere Broschüre Sprachen des Tanzes, in der unsere Auffassung vom Tanz ausführlich dargestellt ist. Im Dezember des gleichen Jahres veranstalteten wir im Rolf-Engelbrecht-Haus in Weinheim einen Ballettnachmittag für Kinder.
1989 nun begann eine neue Phase, in der wir in ganz besonderer Weise dem Historischen Tanz unsere Aufmerksamkeit und Kraft schenkten. Am 26. Februar 1989 erfolgte unser 3. großer Ballettabend Tanz bewegt die Welt, der, was die Resonanz im Publikums betrifft, unsere Erwartungen weit übertraf. Die Stadthalle war überfüllt. viele bekamen keinen Platz mehr, mussten stehen.
Mit unserer Gruppe Historischer Tanz traten wir ebenfalls 1989 in der Museumsgesellschaft Tübingen auf. In der Veranstaltungsreihe 1. Historisches Wochenende in Weinheim widmeten wir mit viel Erfolg und Zuspruch eine ganze Veranstaltung einem einzigen Thema: Höfische Tänze. Das Märchenballett Pinocchios Abenteuer erfreute im 1. Weinheimer Kultursommer trotz sommerlicher Hitze eine große Anzahl junger und alter Zuschauer. 1989 war also ein Jahr turbulenter Aktivitäten und großer Anstrengungen. Das konnte so schnell nicht wiederholt werden. Eine Verschnaufpause war angebracht.

Der Ballettabend Taube mit Schuh aus dem Jahre 1992 übertraf dann wiederum die bisher erreichte Ziel- und Qualitätsmarke, konnten wir in diesem Jahr doch schon auf eine 15-jährige Erfolgsgeschichte zurückschauen. Wieder bildeten zwei Schwerpunkte das Programm: 1. Das Kinderballett Aschenputtel, mit seinen schönen Bezügen zu archetypischen seelischen Grundbefindlichkeiten und 2. eine tänzerische Reverenz an die hispanischen und afroamerikanischen Kulturen, da sich 1992 die Entdeckung Amerikas zum 500. Mal jährte. Die Presse war in jeder Hinsicht begeistert und sprach von einer nahezu professionellen Veranstaltungsqualität. Ein größeres Lob kann es für eine Laientanzschule nicht geben. Hier bestätigte sich also wieder die Philosophie Irene Kemens, dass solche Ziele erreichbar sind, wenn ernst genommen wird, dass das Tanzen die schönste Sache der Welt ist.

Jährlich folgten dann anspruchsvolle Tanzvorführungen im Rahmen der Tage der offenen Tür in den Räumen des Studios für Tanz in der Stadtmühlgasse 2a, das mittlerweile eine Erweiterung im so genannten Pförtnerhaus mit Büro- und Lagerräumen gefunden hatte. Da wir dort das Erdgeschoss aufwendig restaurierten und mit einer Gasheizung ausstatten, die auch das Studio mit Wärme versorgen konnte.
An diesen Tagen der offenen Tür verwandelte sich das Studio dann in ein kleines Theater nebst einer Foto- und Kunstgalerie. Tradition war es schon geworden, die Tanzdarbietungen durch Live-Musik zu bereichern. 1993 war es z.B. Jochen Pöhlert mit seiner Jazz-Combo. Längst hatte es sich auch eingebürgert, den Reinerlös bestimmten Hilfsorganisationen zukommen zu lassen. Der Weg schien richtig, das Studio wurde zu einem kleinen Kulturtreffpunkt, in dem sich auch bildende Künste und Live-Musik zu Hause fühlten.

1995 konnten wir dann nach mehr als aufwendigen Vorbreitungen erneut einen großen Ballettabend in der vollbesetzten Weinheimer Stadthalle durchführen. Unter dem Motto Tanzen ist Antworten entwickelten wir zu Tschaikowskys Ballettmusik Nussknacker ein entzückendes Kinderballett. Noch anspruchsvoller war der gelungene Versuch, eine Choreographie zu Händels Messias zu entwickeln. Die Presse sprach schließlich von einem grandios inszenierten Ballettabend und einem unwiederbringlichen Tanzereignis für alle Mitwirkenden und die Zuschauer.

In der Woche vom 6. bis 12. Juli 1997 feierten wir in den eigenen Räumen mit vielen Veranstaltungen das 20-jährige Bestehen des Studio für Tanz Weinheim. Die ganze Woche gab es so genannte Zuschautage in den einzelnen Klassen und Kursen, an denen die Familien und Freunde der Teilnehmer den Unterricht mitverfolgen können. Angeboten wurden auch kostenlose Workshops in Hip-Hop und in Step-Tanz. Der Fotograf Martin Bernhardt realisierte eine Ballettfoto-Session. Höhepunkte aber waren am 11. Juli die Tanzaufführung Innenräume mit Ruth Becker und Peter van Os aus Amsterdam und am 12. Juli die Aufführung Spanische Tänze und südamerikanische Musik mit Claudia Thompson aus Argentinien, Nelson Millat aus Chile und der spanischen Tanzgruppe Macarena aus Weinheim. Mit von der Partie waren natürlich auch die Schüler und Schülerinnen des Studios, die in diesem Zusammenhang einen anspruchsvollen Tango präsentierten. Die Begeisterung über diese hochwertigen tänzerischen und musikalischen Veranstaltungen kannte keine Grenzen und ließ beim Publikum den tiefen Wunsch nach weiteren Veranstaltungen dieser Art aufkommen.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums wurde allen Besuchern des Studios klar, dass die Erfolge des Studio für Tanz Weinheim ihr Fundament in Irene Kemens Auffassung besitzen, dass der Tanz mehr ist als nur schöne oder gestylte Bewegung, sondern eingebunden ist in vielfältige historische, ästhetische und existentielle Grunderfahrungen. Mehr noch: Tanz ist nicht in erster Linie eine ästhetische Körpererfahrung, sondern primär im Atem erfahrene Bewegung, letztlich Leben, das als Freude wahrgenommen wird.

Aufgrund der großen Begeisterung anlässlich des Auftritts von Claudia Thompson in der Jubiläumswoche des Studios für Tanz Weinheim lag es nahe, Claudia Thompson, Primaballerina des Hispanischen Balletts und Mitglied bedeutender Tanzensembles in Argentinien und Europa, zu einer eigenen Veranstaltung einzuladen. Vom 20. bis 22. März 1998 führte sie im Studio einen Workshop durch und gab am 21. März einen Solotanzabend. Das positive Echo war überwältigend. Diese Solotanzveranstaltungen sollten sich deshalb in den nächsten Jahren wiederholen.

Den besonderen Zusammenhang, der zwischen Tanz und Atem festgestellt werden kann, konnte Irene Kemen im einem Studium der Atemtherapie nach der Methode von Ilse Middendorf näher ergründen und in ihre tanzpädagogische Praxis mehr und mehr integrieren.

Schon wieder aber näherte sich ein Jubiläum: das 25ste! Deshalb planten wir frühzeitig für 2002 einen großen Ballettabend, der die ganze Variationsbreite des Tanzes am 2. und 3. März in der neu renovierten Weineimer Stadthalle zeigen sollte. So ergab sich der Titel DanceDimension, der im Jahre 2008 zum Namen der vorliegenden Website wurde. In Erinnerung an die gelungene Aufführung „Pinocchio“ wurde dieses Kinderballett neu inszeniert. Die Presse fand die Formulierung: „Klassisch, modern, märchenhaft“.

Unter dem neuen Logo DanceDimension segelte das Studio für Tanz Weinheim im Jahre 2005 unter Leitung von Irene Kemen mit der phantastischen Veranstaltungsreihe der Ballettabende neuen Ufer entgegen. Der Termin lag nicht wie sonst im Frühjahr, sondern dieses Mal im Dezember. Mit großem Aufwand wurde deshalb das Kinderballett Peterchens Mondfahrt choreographiert und inszeniert. Die Presse formulierte: „Wenn die ganzheitlich empfundene Energie dann in Tanz mündet,“ – was ja Philosophie und Programm Irene Kemens ist – „entstehen Sternstunden wie beim Ballettabend des Studios für Tanz“. Irene Kemen hatte sich durch ein ganzes Musikarchiv hindurch gearbeitet. Und wirklich: Unter einem Himmel voller Sterne und vor einem großen Weihnachtsbaum spielte sich dieses herzergreifende, getanzte Märchen ab. Mit (E)Motion and Movement, so der Titel, ging es in die zweite Hälfte des Ballettabends, ob Modern, Jazz, Hip-Hop, Step, Spanisch oder Tango, Musical oder Pop, alles wurde tänzerisch zur Sprache gebracht. Die Presse zog folgendes Fazit: „Insbesondere bei ‚All That Jazz’ aus dem Musical ‚Chicago’ wehte ein ordentlicher Broadway-Wind über die Weinheimer Stadthallenbühne, der man vergleichbare Tanzereignisse … noch des Öfteren wünschen möchte.

Und so ging und geht es weiter. Am 13. Februar 2007 sprengte eine Spanische Matinee mit Barbara Thompson und Martina Soledad Demaria aus Argentinien fast die Kapazität des Studios. Das Publikum war begeistert und die Studioräume erfüllt vom Geist des Tanzens, den Irene Kemen nun im 30. Jahr in Weinheim entfesselt. Barbara Thompson gratulierte vor Publikum ihrer Freundin Irene zu diesem großen Erfolg und fügte den Satz hinzu: „Vielleicht schafft es der Tanz eines Tages, dass die Welt ein bisschen besser wird.“